Die Revolution in der Automobil- und Mobilitätsbranche vorantreiben
Auf dem Weg zum hochautomatisierten und autonomen Fahren wandelt sich das klassische Fahrerlebnis zu einem ganzheitlicheren Mobilitätserlebnis – wobei optische Lösungen eine Schlüsselrolle bei der Steigerung von Sicherheit, Komfort und Fahrspaß spielen.
Elektrifizierung, Vernetzung, assistiertes und autonomes Fahren – die Automobilindustrie befindet sich in einem grundlegenden Wandel. Welche Rolle spielen optische Halbleiter dabei?
In mehr als 100 Jahren als vertrauenswürdiger Partner der Automobilindustrie haben wir viele bahnbrechende Trends in der Automobiltechnik miterlebt und vorangetrieben. Der revolutionärste davon findet jedoch gerade jetzt statt. Lange Zeit standen aus Sicht des Fahrers der Motor, das Fahrwerk und das Fahrerlebnis im Vordergrund. Heute, da Autos zunehmend elektrifiziert, automatisiert, vernetzt und gemeinsam genutzt werden, konzentrieren sich Nutzer und Fahrer auf ein ganzheitlicheres Mobilitätserlebnis: auf Sicherheit und Komfort, auf Vernetzung und Unterhaltung sowie auf eine verstärkte Interaktion mit den Funktionen und Ausstattungsmerkmalen des Fahrzeugs. Um dieses neue Paradigma in der Automobilbranche zu verwirklichen, spielen optische Lösungen eine wesentliche Rolle.
Können Sie uns ein paar Beispiele nennen?
Viele Jahre lang übernahmen traditionelle optische Technologien wesentliche Funktionen bei Scheinwerfern, Brems- und Blinklichtern sowie der Innenraumbeleuchtung. Im Zuge der LED-Umstellung wurden viele dieser traditionellen Technologien bereits durch LED-Lichtquellen ersetzt. Darüber hinaus finden sich in modernen Fahrzeugen oder Fahrzeugen der nächsten Generation zahlreiche weitere optische Produkte für intelligente Beleuchtung und Visualisierung – von hochauflösenden Matrix-Scheinwerfern über Ambientebeleuchtung und C2X-Kommunikation bis hin zur Display-Hintergrundbeleuchtung.
Und es gibt viele vielversprechende neue Wachstumstreiber im Bereich der Sensorik, wie beispielsweise die Sensorik im Innenraum und die Fahrerüberwachung aufgrund gesetzlicher Anforderungen, den bevorstehenden Einsatz von LIDAR-Sensorik für automatisierte Fahrfunktionen oder intelligente Oberflächen, da sich das Auto für den Nutzer zu einem dritten Wohnzimmer entwickelt. Auf der Grundlage unserer weltweiten Führungsposition im Bereich der Automobilbeleuchtung und eines starken Sensorportfolios bedient ams OSRAM diese Anwendungen mit einem breiten Spektrum an Lichtquellen und Sensorlösungen.
Was bedeutet dieser Trend zu intelligenten Lösungen für die Außenbeleuchtung?
Ein wichtiger Trend ist das „Dynamic Forward Lighting“ , bei dem es um intelligente, pixelbasierte Scheinwerfer mit einer Vielzahl von Lichtpunkten geht. Diese adaptiven Scheinwerfer werden immer ausgefeilter, da sie sich an den Gegenverkehr anpassen, Verkehrszeichen hervorheben und sogar Informationen auf die Fahrbahn projizieren können.
Um beispielsweise das Problem der Blendung zu lösen, schalten die hochauflösenden LED-Scheinwerfer automatisch diejenigen Pixel aus, die die Sicht des Fahrers eines entgegenkommenden Fahrzeugs beeinträchtigen würden. Je mehr Pixel vorhanden sind, desto präziser lässt sich der Lichtstrahl einstellen. Unsere EVIYOS-Technologie erhöht die Pixelanzahl von derzeit nur wenigen Dutzend Pixeln auf rund 26.000 Pixel, was nicht nur eine deutliche Verbesserung des adaptiven Scheinwerferbetriebs ermöglicht, sondern auch die Projektion von Warnsymbolen auf die Fahrbahn.
Sie haben „Smart Surfaces“ erwähnt. Was steckt hinter diesem Konzept?
Automobilhersteller möchten heute immer mehr funktionale Komplexität in den Fahrzeuginnenraum integrieren. Gleichzeitig geht der Trend zu übersichtlichen Cockpits mit glatten Oberflächen und intuitiven Bedienelementen. Physische Tasten und Drehregler geraten zunehmend ins Hintertreffen. Und Displays sind aufgrund geometrischer Einschränkungen und relativ hoher Kosten auf bestimmte Bereiche beschränkt und leiden zudem unter Reflexionen.
Es bedarf einer neuen Mensch-Maschine-Schnittstelle – die sich über sogenannte „Smart Surfaces“ realisieren lässt. Diese kombinieren Lichtquellen, Treiber und Sensoren, um neuartige Anwendungen im Fahrzeuginneren zu ermöglichen. Beispiele hierfür sind interaktive, dekorative, von hinten beleuchtete Animationen sowie „Shytech“-Tasten, die erst dann erscheinen, wenn der Nutzer sie ansieht oder seine Hand in ihre Richtung bewegt. Dies wird die Interaktion im gesamten Fahrzeuginnenraum revolutionieren, einschließlich der Mittelkonsole, der Armaturentafel, der Dachkonsolen, der Türverkleidungen oder des Lenkrads.
Haben all diese neuen Funktionen keinen Einfluss auf die Reichweite von Elektrofahrzeugen?
Natürlich benötigen diese Funktionen Strom, und in der Branche wird intensiv über den Kompromiss zwischen Funktionalität und Energieverbrauch diskutiert. Gleichzeitig tragen unsere immer effizienteren Halbleiterlösungen dazu bei, bei diesen Funktionen Energie zu sparen. So benötigen beispielsweise unsere neuesten LED-Lichtquellen für Tagfahrleuchten 33 % weniger Strom als noch vor sechs Jahren und bieten gleichzeitig eine höhere Leuchtkraft. Letztendlich wird es für Automobilhersteller und Käufer darauf ankommen, die Kompromisse zu optimieren. Zumal Licht- und Sensorikfunktionen für Erstausrüster zu einem immer wichtigeren Differenzierungsmerkmal werden.
Wie wird das Auto der Zukunft aussehen?
Autos werden zu einer Art drittem Wohnzimmer mit völlig neuartigen Innenraumkonzepten, die auch neue Interaktionsmöglichkeiten bieten. Man denke an Fenster, die als interaktive Bildschirme dienen, an brillante Micro-LED-Displays, maßgeschneiderte Ambient-Light-Szenarien, innovative Projektionsformen, interaktive Oberflächen sowie Gesten- und Sprachsteuerung. Das Reisen wird nur noch eine von vielen Funktionen sein, die Autos erfüllen werden – und ein großer Teil dieser Funktionen wird durch optische Lösungen ermöglicht werden.